RITTER UND RABEN / PRESSE

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Otto Sander rezitiert Balladen Open Air vor dem Wormser Dom.

Foto: Balzarin Vom 17.08.2005 Von Nicole Borheier

 

WORMS. An die beiden Koenigskinder, denen das viel zu tiefe Wasser die Beziehung zerstoerte,werden sich viele erinnern - manch einer vielleicht mit Grausen, weil das mit dem Auswendiglernen in der Schule einfach nicht klappen wollte. Was Otto Sander, Gerd Bessler und die Nibelungenmusiker am Dom vortrugen, hatte dagegen eine ganz andere Klasse. Das waren Balladen und Begleitmusik vom Feinsten; spannend, anruehrend und manchmal bei aller Dramatik auch lustig. Otto Sander schaffte es mŸhelos, die Zuhšrer zu fesseln. Die gruselige Ballade vom toten Ritter, der seine Braut in der Hochzeitsnacht mit sich ins Jenseits holt, wurde durch Sanders Stimme noch unheimlicher. Das Publikum war so angespannt, dass der Applaus erst mit Verspaetung einsetzte. Gro§en Spass machte dem Schauspieler Fontanes makabere Geschichte von den zwei Raben, die beschlie§en, ihren Imbiss bei dem toten Ritter im Wald zu nehmen. Sander musste selbst grinsen, als er die Voegel mit kraechzender Stimme das Mahl aufteilen liess - "du setzest auf seinen Nacken dich, seine blauen Augen, die sind fŸr mich". Gerd Bessler untermalte zusammen mit den Musikern und Trommlern der Nibelungenfestspiele die einzelnen Balladen. Raffinierte Lichteffekte, feinfŸhlig abgestimmt auf Text und Musik, machten den Abend auch optisch zu einem Genuss. Rilkes anruehrendes "Liebeslied" war noch nicht ganz verklungen, da setzten Gerd Bessler mit der Geige und die Cellistin Clementine Gasser ein, ganz im Einklang mit Rilkes Zeilen "Doch alles, was uns anruehrt, dich und mich, nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich, der aus zwei Saiten eine Stimme zieht". Mit 22 Trommlern, davon acht auf den inzwischen beruehmten Oelfaessern, holte Bessler das Publikum aus der Ergriffenheit. Erwin Schober trieb das fetzige, schwungvolle Trommel-Inferno an, bis die Instrumente zu explodieren schienen, holte sie dann aber mit einer einzigen Handbewegung wieder in die Ruhe zurŸck. Der Abend hat moeglicherweise manchen Zuhoerern die durch die Schule verdorbene Freude an Balladen wieder zurŸckgegeben. Ob Uhlands "Des Saengers Fluch", Schillers "Handschuh" oder Heines "Belsazar" - Otto Sander liess mit seiner Stimme und sparsamen Gesten die Szenen spannend und lebendig wie Bilder auf der Buehne erscheinen. Am kommenden Sonntag liest Christian Quadflieg um 20 Uhr Texte von Friedrich Hebbel im Herrnsheimer Schloss.